DeutschEnglish
Geschichte Geschichte der "Großen Bergpreise" in Österreich

Österreich fehlte es in der Zwischenkriegszeit zwar nicht an Bergrennen an sich: Exelberg bei Wien, Semmering Bergrennen, Gaisberg bei Salzburg (seit 1929) und anderen. Aber es gab kaum große internationale Bergrennen wie beispielsweise in der Schweiz das Klausenpassrennen (seit 1922) oder Schauinsland bei Freiburg im Breisgau (seit 1923).
Erst mit dem Gaisbergrennen ab 1929 bis 1933 und 1935 mit dem ersten internationalen Großglockner Bergrennen fanden zwei europaweit bekannte Bergrennen in Österreich statt. Diese hießen damals aber noch nicht "Großer Bergpreis", sondern "Internationale Bergrennen".
Wenn auch die Bezeichnung "Großer Bergpreis von Österreich" vor dem Zweiten Weltkrieg noch nicht in Verwendung war, so können die Bergrennen am Großglockner durchaus schon als solche bezeichnet werden. Alle drei Bergrennen auf der Großglockner Hochalpenstraße waren sowohl für Automobile als auch für Motorräder ausgeschrieben.


Der "Große Bergpreis von Österreich" auf der Großglockner Hochalpenstraße

Gerade die Großglockner Hochalpenstraße als zentraler Alpenübergang bot dann neben der touristischen Zielsetzung, der Funktion als Alpentransitstrecke, auch die Möglichkeit für Österreich, eine Bergrennstrecke zu schaffen, die internationalen Anforderungen entsprach.


Die Rennstrecke

Als nach fünfjährigem Bau der Großglockner Hochalpenstraße im Jahre 1935 diese Nord-Süd-Strecke fertig gestellt war, gab die Prominenz des österreichischen Motorsports eine mächtige Demonstration ihrer Präsenz. Das erste internationale Großglockner-Rennen fand am 4. August 1935 statt, nur einen Tag nach der feierlichen Eröffnung der Straße. Es sollten noch zwei weitere folgen, 1938 und 1939; sie trugen der politischen Entwicklung entsprechend bereits den Namen "Großer Bergpreis von Deutschland".


Das Internationale Bergrennen 1935

Trotz politischer Probleme (1000-Mark-Sperre) nahmen am ersten Rennen 1935 viele ausländische Automobilrennfahrer teil: der Schweizer Christian Kautz auf Alfa Romeo, der Franzose Pierre Rey auf Bugatti, Carlo Pintacuda und Mario Tadini von der Scuderia Ferrari auf Alfa Romeo, der Deutsche Bobby Kohlrausch auf 745 cm³ MG, Roy Seaman aus England, London, auf E.R.A, der Zürcher Max Christen auf Maserati. Bei den Motorradfahrern war die Situation umgekehrt: hier stellten die Österreicher das Gros mit den bergerfahrenen Martin Schneeweiß, Michael Geyer, Hermann Deimel und Otto Steinfellner an der Spitze, während nur wenige Ausländer teilnahmen.


Damen beim Rennen

Auch Damen nahmen an diesem ersten internationalen Bergrennen teil: bei den Automobilen war es Miss Eileen Ellison auf Bugatti. Sie erreichte in der Rennwagenklasse bis 1500 cm³ eine sehr beachtenswerte Zeit, platzierte sich ehrenvoll und erhielt den Damenpreis.
Bei den Motorrädern war es Frau Maria Wachter aus Bürs, Vorarlberg, Österreich, auf Puch 250, die als erste bei den Motorradklassen startete. Allerdings schied sie im Laufe des Rennens aus.


 

Der Rennverlauf

4. August 1935: Auf der anfangs noch regennassen, 19,5 Kilometer langen, damals noch größtenteils aus gewalzter Sandstraße bestehenden Strecke gewann bei der 250-cm³-Klasse der Italiener Bianchi auf seiner Miller Balsamo (der Schnellste war eigentlich der Salzburger Ludwig Zangerl auf Rudge gewesen, er wurde aber wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert); in der 350-cm³-Klasse gewann der Wiener Hermann Deimel auf Velocette mit einem Schnitt von 72,7 km/h; in der Halbliterklasse war Michael Gayer, ebenfalls ein Wiener, auf seiner Werks-Husqvarna-Zweizylinder erfolgreich und kam auf 75,4 km/h im Schnitt. Die schnellste Motorradzeit absolvierte der damals noch nicht auf Sandbahnen spezialisierte Martin Schneeweiß, ebenfalls aus Wien, in der Klasse über 500 cm³. Mit seiner Austro Omega (600 cm³ JAP Motor) schaffte er einen Schnitt von 76,5 km/h, was einer Zeit von 15:17,57 Minuten entsprach. Bei den Automobilen gelang die beste Sportwagenzeit dem Italiener Carlo Pintacuda, dessen von der Scuderia Ferrari stammender Alfa Romeo einen Schnitt von 76,7 km/h (15:15,69 Min.) hinlegte, nur knapp zwei Sekunden schneller als der schnellste Motorradfahrer. Höhepunkt bei den Rennwagen war die Fahrt von Mario Tadini, der mit seinem Alfa Romeo, ebenfalls von der Scuderia Ferrari, in einer Zeit von 14:42,74 Minuten (79,59 km/h) hinauf schoss. Trotz des Fernbleibens der damals im Zenit des allgemeinen Interesses stehenden Marken Auto Union und Daimler Benz war das Großglocknerrennen 1935 ein glanzvolles Ereignis.


Die Großglockner-Rennen nach 1945

Der Großglockner wurde nie mehr im Renntempo erstürmt. Viel zu dicht ist heute der Ausflugsverkehr geworden, als dass man diese Straße über ein Wochenende sperren könnte. Auch würden die Sicherheitsanforderungen mit den Gegebenheiten nicht mehr in Einklang zu bringen sein. Doch die großen Bergrennen an dieser berühmten Strecke sollten nicht der Vergessenheit anheim fallen.
So kam es schon einmal zu einem Wiedersehen mit dem Motorsport auf dem Großglockner: 1985 kamen anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Straße etwa 100 Automobile und Motorräder aus der Zeit vor 1940. So war auch Hans Herrmann mit dem Mercedes-Benz W196, dem "Silberpfeil", gekommen.


Die Großglockner Trophy für historische Rennmotorräder

Eine Neuauflage der Motorradrennen gibt es in geänderter Form seit 2002. Die "Großglockner Trophy" wird seither alle zwei Jahre (2002, 2004, 2006, 2008 und 2010) für historische Rennmotorräder bis Baujahr 1962 als Gleichmäßigkeitsfahrt ausgetragen.


Textquelle: Programmheft Großglockner Trophy 2004/2006 - Autor Peter Krackowizer



Aktuelle News: Ergebnisliste der Glockner Trophy 2010

Die Ergebnisliste der 5. Glockner Trophy 2010 ist nun online!

Zur Ergebnisliste

» Weitere News
Join us on:   
Wetter:
Video vom ersten Großglockner Rennen

» Zum Video